Es war einmal ein kleines Mädchen, das einmal in der Woche, wenn seine Eltern beide das Haus verlassen mussten um zu arbeiten, zu einem sehr bösen Zauberer geschickt wurde, der in einem dunklen Wald in finsteren Turm lebte und auf es aufpassen sollte. Der Zauberer war ein sehr verbitterter Mann, der selbst in seiner Kindheit viel Leid erfahren hatte - und dieses Leid hatte ihn hart, grausam und höhnisch gemacht. 
Das kleine Mädchen mit seiner kindlichen Unbedarftheit, seiner herzlichen Fröhlichkeit und seinem strahlenden Leuchten weckten in ihm tiefe Sehnsucht und gleichzeitig tiefen Schmerz - und der Zauberer begann, dieses kleine Mädchen zu verabscheuen. Er wollte nichts lieber als ihr Strahlen und somit sein Leid beenden. 
Er wollte dieses kleine Mädchen beherrschen, damit es ihm nicht weiter gefährlich werden konnte, indem es diese tiefe Sehnsucht und diesen tiefen Schmerz in ihm weckte und so benahm sich der Zauberer sehr grausam gegenüber dem kleinen Mädchen und tat ihm oft sehr weh.
Doch es dauerte Jahre, bis das kleine Mädchen den Mut fand ihren Eltern zu sagen, dass sie den bösen Zauberer nicht mehr besuchen wollte - fühlte sie sich ihnen, die so hart arbeiteten um die Familie zu versorgen, doch verpflichtet, ein gutes Kind zu sein. Der böse Zauberer, wissend um das liebende Herz des Mädchens, drohte ihr, ein böser Drache würde kommen und schreckliches Unheil über sie und ihre Familie bringen, würde sie auch nur ein Wort über seine Taten verraten. 
Und so hatte das Mädchen, selbst als es bereits zur jungen Frau herangewachsen war und den Zauberer längst nicht mehr besuchen musste, immer noch das Gefühl, im dunklen Turm eingesperrt und vom Drachen verfolgt zu sein - bis sie eines Tages träumte... 
Sie träumte von dem kleinen Mädchen, das sie einst war und wie es glücklich und frei und unbeschwert über grüne Blumenwiesen rannte, mit tiefer Freude im Herzen und einem Jauchzen in der Kehle. Sie erkannte, wie tapfer und stark und mutig dieses Mädchen einst gewesen war, all dies so zu erdulden und dass es nichts mehr auf der Welt verdient hätte, als glücklich und frei und unbeschwert zu sein. Tiefe Liebe erfüllte das Herz der jungen Frau und sie beschloss, trotz vor Angst schlotternden Knien und pochendem Herzen mutig zu sein - mutig zu sein und sich aus ihrem inneren dunklen Turm zu befreien und den Drachen zu suchen und wenn nötig zu töten. 
Es dauerte nicht lang und sie vernahm ein Rauschen in der Luft - mit weitem Flügelschlag kam der Drache angeflogen, riesig und furchteinflößend in seiner Gestalt und mit heißen Flammen, die er aus seinem Maul und seinen Nüstern spie und  er wirbelte jede Menge Erde und Staub auf... Die junge Frau bedeckte die tränenden Augen mit den Händen - sie konnte nichts sehen, ihre Lunge brannte durch die Hitze der Flammen, die die Luft erfüllten, und machten es ihr schier unmöglich zu atmen... Es schmerzte unerträglich und sie dachte jeden Moment sterben zu müssen - ganz sicher würde der Drache sie mit seinen Flügeln erschlagen oder mit seinen Flammen bei lebendigem Leib verbrennen...
Doch wider Erwarten, nichts geschah. Langsam legten sich Erde und Staub und die junge Frau vermochte wieder zu atmen. Der Schmerz ließ nach und erste Sonnenstrahlen bahnten sich ihren Weg zwischen ihren Fingern und trochneten die Tränen. Immer noch am ganzen Körper zitternd, aber in Gedanken bei dem kleinen Mädchen und  mit viel Mut im Herzen nahm sie schließlich die Hände von ihrem Gesicht und blickte den Drachen an. Da saß er vor ihr, grün und bunt schillernd und mit einer Wärme und Güte in den Augen, die sie nicht erwartet hatte und aus seinen Nüstern blies er nur noch sanften Rauch, der im Sonnenlicht zu glitzern vermochte wie Feenstaub.
Doch noch etwas spiegelte sich in seinen Augen - es war das Bild des kleinen Mädchens und es lachte und winkte  und hüpfte und freute sich, dass es gesehen und wahrgenommen wurde. Dass jemand so mutig gewesen war, das Schlimmste auf sich zu nehmen, nur um es zu befreien.
Mit sanftem Schnauben legte der Drache seinen Kopf auf die Erde und bedeutete der jungen Frau, auf seinen Rücken zu klettern. Und mit ihr zwischen seinen Flügeln erhob er sich hoch in die Lüfte und flog bis zu den Sternen einem neuen Morgen entgegen. Die junge Frau fühlte sich unendlich glücklich und frei und unbeschwert und konnte das kleine Mädchen tief in sich jauchzen hören - und so ließ sie das Jauchzen auch in ihrer Kehle aufsteigen, genährt von warmem Lachen in ihrem Bauch und tiefer Freude in ihrem Herzen.
Von da an war es das Feuer des Drachen, das sie des Nachts wärmte und sein Flügelschlag, der ihr Vertrauen nährte, dass an jedem Morgen eine neue Sonne am Horizont aufzugehen vermag...


Weißt du Liebes, auch ich bin einmal aus meinem Turm geklettert - mit pochendem Herzen, schlotternden Knien und ohne zu wissen, was mich wirklich erwartet, hab ich mich in dunkelster Nacht auf die Reise gemacht, um dem gefürchtetsten Drachen meines Lebens zu begegnen - und ihn zu zähmen. Und sein Feuer, das er spie, und das mich einst so ängstigte, wurde zur hellen, leuchtenden Flamme, die mir das Dunkel erhellte und mich in der Kälte wärmte - die mich brennen ließ für #thebraveyoniproject und alle Heldinnen da draußen samt ihren Geschichten.

Ich persönlich habe mir sehr viel Zeit für meine Heldinnenreise genommen und bin verschiedenste Wege gewandert - von der "klassischen Traumatherapie" nach Luise Reddemann über zahlreiche (Selbsterfahrung)-Seminare, Retreats und Workshops zum Thema "Erfüllte Weiblichkeit" bis hin zu meinen Reisen in den Busch Südafrikas, die mich nach Hause in meinen Körper und in mein Innerstes geführt haben.
Und egal auf welchem Weg ich mich gerade befand, ob er steinig war oder steil oder kurvenreich - ein ganz wesentlicher Punkt zu jeder Zeit und bei jedem Schritt war, mein Warum in ein WOFÜR zu wandeln. All dem, das ich nicht ändern kann, einen Sinn zu geben, einen Sinn der mir und im besten Fall auch anderen Heldinnen dient - und so meine Wunde in ein Wunder zu wandeln! 
Eines meiner wertvollsten Werkzeuge auf meiner Reise war, dass ich begann, jene Körperteile kreativ zu formen, zu bemalen und zu beseelen, mit denen ich tiefen Schmerz und daraus resultierende Ablehnung assoziierte und die teilweise richtiggehend abgespalten hatte. So zog ich wieder ein in meinen Körper und eroberte ihn für mich zurück - ich lernte ihn neu kennen, ihn anzunehmen und zu lieben. Ich fand meine inneren "Werkzeuge", meine Ressourcen, Gaben und Fähigkeiten und beseelte meinen Körper neu. Ich begegnete der Heldin in mir.

Um Frauen an die Essenz der Geschichte, an ihre Heldinnenkraft und Schöpfergabe zu erinnern und daran, dass Wunden Eingänge zu sich selbst und Ausgänge für das eigene innere Licht sein dürfen und ihnen tausende und abertausende funkelnde Perlen und Schätze innewohnen, gebäre ich mit ihnen und für sie diese Yonis. 

Denn eines ist gewiss, mein Herz, du bist 1000 Mal stärker, mutiger, tapferer als du jetzt im Moment vielleicht glaubst zu sein!
Du bist eine Heldin!